Widerlich und geschichtsvergessen

Widerlich und geschichtsvergessen

AFD-Vorsitzender Gauland will Geschichte umschreiben

Die Strategie der AFD ist es, zu hetzen, zu provozieren und Hass zu sähen. AFD-Protagonisten wie Alexander Gauland, Alice Weidel, Beatrix von Storch und Björn Höcke formulieren deshalb nie zufällig, unbedacht oder gar in Verwirrtheit. Ihre Äußerungen sind keine Ausrutscher, sondern System: Ihre Hetze zielt darauf ab, die Gleichwertigkeit aller Menschen in Frage zu stellen, rassistische Politik und menschenverachtende Äußerungen zu legitimieren. Darüber hinaus geht es ihnen um die Abkehr von der deutschen Erinnerungskultur, und um die Tür der Partei für Rechtsextreme noch weiter zu öffnen.

Der Parteivorsitzende der AfD, Alexander Gauland, im Auftreten ein konservativer Biedermann, im Reden ein völkischer Brandstifter, hatte vor wenigen Tagen auf dem Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ kühl kalkuliert gesagt, dass Hitler und die Nazis nur ein „Vogelschiss“ in „über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ seien.

Diese Aussage ist schlicht widerlich und geschichtsvergessen. Sie darf nicht unwidersprochen bleiben. Denn Hitler und die Nazis, die SS-Mörderbanden und SA-Schlägertrupps sind natürlich kein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte“. Die Faschisten haben zwischen 1933 und 1945 politische Gegner – Sozialdemokraten und Kommunisten, Gewerkschafter und jüdische und andere religiöse Bürger*innen systematisch verfolgt, in Konzentrationslager eingekerkert, gefoltert und ermordet und einen ganzen Kontinent mit Krieg und Terror überzogen, bei dem über 50 Millionen Menschen getötet wurden.

Der Nationalsozialismus war Menschenverachtung in Reinform und ist in den Schriften, Worten, Taten auf brutale und erschreckende Weise klar erkennbar und nachlesbar. Wer diese Menschenfeindlichkeit der Nazis leugnet, verharmlost oder relativiert, der verhöhnt nicht nur die Millionen Opfer, sondern der will ganz bewusst alte Wunden aufreißen und neuen Hass sähen. Wer die Untaten der alten Nazis verharmlost, ist ein Steigbügelhalter der neuen Nazis.

Alexander Gauland hat sich keinen Ausrutscher geleistet. Es geht ihm nicht um Provokation oder politischen Opportunismus. Was er sagt, entspricht seiner politischen Überzeugung. Seine Aussage zielt auf eine neue Konstruktion von Geschichte und Identität ab. Seine Äußerung folgt der AFD-Strategie, die NS-Zeit als eine von vielen historischen Phasen herunterzuspielen. Dabei wird unterstellt, dass die Nazi-Herrschaft vergleichsweise kurz war, und deshalb ihre barbarischen Folgen zu vernachlässigen seien. Völkisches Denken wird wieder für diskutabel erklärt. Während deutsche Wehrmachtssoldaten im faschistischen Angriffskrieg auf die europäischen Nachbarn zu tapferen Kämpfern stilisiert werden, wird das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin als „Denkmal der Schande“ diffamiert.

Die deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1945 ist und bleibt ein Beleg dafür, dass der Weg zum Verbrechen oft mit Provokationen und unmenschlicher Hetze beginnt und wohin im Extremfall Nationalismus, Hass und Rassismus führen. Es ist deshalb beschämend mit welcher Dreistigkeit die AfD und ihr Vorsitzender zur Verrohung in der gesellschaftlichen Debatte beitragen. Hier wäre zu wünschen, dass Staatsanwälte und Richter bei solchen volksverhetzenden Parolen ihre Zurückhaltung aufgeben und mit einer Null-Toleranz-Haltung die Hetzer verfolgen.

Es ist Aufgabe von Gewerkschaften die Erinnerung an die menschenverachtende Barbarei in der deutschen Geschichte wachzuhalten, das Bewusstsein gegenüber Menschenverachtung zu schärfen und wie auf dem 21. Bundeskongress des DGB in Berlin beschlossen über die rechtspopulistischen und gewerkschaftsfeindlichen Ziele der AFD aufzuklären. In der Tradition der Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, die nach ihrer Befreiung geschworen haben: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Foto: Denkmal „Schwur von Buchenwald“  – Foto: Privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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