„Streik“, „Grev“: „Nichts geht mehr für 24 Stunden!“

„Streik“, „Grev“: „Nichts geht mehr für 24 Stunden!“

Dieckerhoff Guss: Tore sind dicht

Mittwoch spät abends: Nichts geht mehr bei Dieckerhoff Guss in Gevelsberg. Ab 22 Uhr steht die Produktion still. Mit Beginn der Nachtschicht treten die Beschäftigten in den „24-stündigen-Ausstand“. „Streik“, „Grev“ ist auf deutsch und türkisch am Werkstor zu hören. „Die Beteiligung am Streik ist hundertprozentig. Die Kollegen haben an den Tagen zuvor einstimmig für den Streik gestimmt“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Sadi Demir. Die Früh- und Mittagsschicht wird tags darauf die Arbeitsniederlegung fortsetzen.

Die Flammen in den aufgestellten Ölfässern lodern in den nächtlichen Himmel. Viele Kollegen der Mittagsschicht, die ihre Arbeit beendet und die Nachtschichtler, die sie gar nicht erst angetreten haben, drängen sich an diesem nasskalten Abend um das wärmende Feuer. Am aufgebauten Grill können sie sich mit Essen versorgen. Gefragt „warum sie streiken“, kommt spontan die Antwort: „Die Arbeitgeber haben uns dazu gezwungen.“ Herbert Uppendahl: „Wir wollen ein gerechtes Stück vom Kuchen abhaben.“ Und sein Kollege Ingo meint: „Die Arbeitgeber sollen sehen, dass wir hinter unseren Forderungen stehen.“ Dass der Rückhalt der IG Metall in der Belegschaft gut ist, ist an diesem Abend zu spüren.

„Die Arbeitgeber haben sich das selbst eingebrockt“, sagt die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader zu den Streikenden. Die Arbeitsniederlegung bei Dieckerhoff und in 275 Betrieben bundesweit seien die „Antwort auf das völlig unzureichende Angebot der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen“. Das Verhalten der Arbeitgeber lasse sowohl bei den arbeitszeitpolitischen Forderungen als auch beim Entgelt „jeden Respekt für die persönlichen Bedürfnisse und Nöte der Beschäftigten“ vermissen.

Für das leibliche Wohl war gesorgt

Angebot der Arbeitgeber ist „unanständig“

Das Angebot der Arbeitgeber nannte die IGM-Bevollmächtigte „unanständig“. Die Konjunktur laufe hervorragend, die Ertragslage der Unternehmen sei extrem gut, „und dann machen die ein Angebot, das bei einer Vertragslaufzeit von 27 Monaten nicht mal die Inflation ausgleicht“. Deshalb erhöhe die IG Metall mit den ganztägigen Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber, damit in die festgefahrenen Tarifverhandlungen wieder Bewegung kommt.

Die kämpferische Stimmung heizte der Liedermacher Heiko Fänger mit seinen Songs an. Die Kolleginnen und Kollegen stimmten mit ein. Solidarisch zeigten sich an diesem Abend auch KollegInnen von CDP, GHV, Hesterberg, Köppern und O&K Antriebstechnik – sie kamen mit vors Werkstor.

Der Streik hat begonnen

Fotos:  Thomas Range

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