Stahlbeschäftigte fordern 6 Prozent

Stahlbeschäftigte fordern 6 Prozent

Start der Stahl-Tarifrunde 2019

Selbstbewusst startet die IG Metall in die Stahl-Tarifrunde 2019. Einstimmig haben die Mitglieder der Tarifkommission für die nordwestdeutsche Eisen- und Stahlindustrie die Forderungen beschlossen:  6 Prozent mehr Entgelt für eine Laufzeit von zwölf Monaten und eine zusätzliche jährliche tarifliche und tarifdynamische Urlaubsvergütung für Beschäftigte in Höhe von 1.800 Euro. Diese tarifliche Urlaubsvergütung soll wahlweise in freie Tage umgewandelt werden können.

Darüber hinaus sollen die Tarifverträge zur Altersteilzeit, über den Einsatz von Werkverträgen und zur Beschäftigungssicherung für die rund 72.000 Beschäftigten verlängert werden. Um die Attraktivität der Stahlindustrie bei jungen Menschen hoch zu halten und einem Fachkräftemangel in dieser Branche vorzubeugen, wurde eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen sowie die Vereinbarung einer Verhandlungsverpflichtung zu Dual Studierenden gefordert. Die zusätzliche Urlaubsvergütung für Auszubildende soll 600 Euro betragen.

Alle Forderungen auf einen Blick 

  • 6 Prozent mehr Lohn und Gehalt ab 1. Januar 2019 (für 12 Monate)
  • 1800 Euro zusätzliche tarifliche Urlaubsvergütung. Sie kann in Zeit realisiert werden.
  • überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen
  • 600 Euro zusätzliche Urlaubsvergütung für die Auszubildenden
  • Verhandlungsverpflichtung zur tariflichen Absicherung der dual Studierenden
  • Verlängerung der Tarifverträge zu Altersvorsorge, Beschäftigungssicherung und Werkverträgen

Der wirtschaftliche Aufwärtstrend hält an  

Der Aufschwung in Deutschland erlebt sein neuntes Jahr. Er hat zwar etwas an Fahrt eingebüßt, bleibt aber robust und die gute konjunkturelle Entwicklung setzt sich 2019 und 2020 fort. „Der wirtschaftliche Aufwärtstrend hält auch in der Stahlindustrie an. Die Kapazitätsauslastung lag in diesem Jahr um die 90 Prozent und nähert sich den Durchschnittswert von vor der Krise (91 Prozent) an. Auch die Preise, die erzielt werden können, steigen deutlich“, sagte NRW IG Metall- Bezirksleiter Knut Giesler in der Tarifkommission.

Die Kostensenkungsprogramme in der Stahlindustrie haben Spuren hinterlassen, so ist in den vergangenen drei Jahren die Zahl der Beschäftigten gesunken. Der Umsatz erhöhte sich 2017 um mehr als 20 Prozent. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres überstieg der Umsatz sogar noch den des Vergleichszeitraums im vergangenen Jahr. Die Rohstahlerzeugung erhöhte sich 2017 auf 43,6 Millionen Tonnen – höher war sie nur in den zwei ersten Jahren nach der Krise 2009. Die Kapazitätsauslastung beträgt fast 90 Prozent, die Reichweite der Auftragsbestände 3,7 Monate.

Diese gute wirtschaftliche Lage drückt sich in der Forderung nach 6 Prozent mehr Geld und der Einführung einer zusätzlichen tariflichen Urlaubsvergütung aus: Die Stahlarbeiter wollen mehr Geld, sie wollen an dem, was sie produzieren, teilhaben. Angesichts der guten wirtschaftlichen Situation in der Branche ist das machbar. Tragende Säule der Binnenwirtschaft ist nach wie vor der private Konsum. Er sorgt für die Hälfte des steigenden Bruttoinlandsprodukts. Die Forderung selzt wie folgt zusammen: Die gesamtwirtschaftliche Produktivität steigt 2019 voraussichtlich um rund 1 Prozent, die Inflation um 2 Prozent. Die dritte Komponente gewerkschaftlicher Entgeltforderungen ist die „Umverteilungs-Komponente“ von 3 Prozent.

Forderung nach Wahloption „Umwandlung von Geld in freie Tage“

Ein besonderer Schwerpunkt in dieser Tarifrunde ist die Forderung nach 1800 Euro zusätzlicher tariflicher Urlaubsvergütung. Diese Vergütung soll optional in freie Tage umgewandelt werden können. In der Diskussion der Tarifkommissionsmitglieder über die Forderungsempfehlung wurde deutlich, wie wichtig es den Stahl-Beschäftigten ist, Möglichkeiten für mehr freie Tage zu bekommen, um Belastungen kompensieren zu können. Knut Giesler: „70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Schicht. Schichtarbeit führt zu hohen gesundheitlichen Belastungen wie Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen und Rückenschmerzen.“ Wer über längere Zeit Schicht arbeite, habe ein höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und laufe Gefahr, an Burnout zu erkranken. Deshalb verwundere es nicht, dass die Beschäftigten Möglichkeiten zur Entlastung fordern. Die zusätzliche Urlaubsvergütung soll daher in freie Tage umgewandelt werden können.

Stahlarbeitgeber mauern schon vor den Verhandlungen

Der Arbeitgeberverband Stahl reagierte mit Unverständnis auf die von der Tarifkommission der IG Metall beschlossenen Forderungen. Aus Sicht der Stahlarbeitgeber ist eine Einigung „auch nur in der Nähe der IG-Metall-Forderungen“ vollkommen ausgeschlossen. Das heißt, in der anstehenden Tarifrunde ist mit massiver Gegenwehr der Arbeitgeber zu rechnen. „Jedem Beschäftigten muss klar sein, dass wir in den kommenden Wochen dicke Bretter bohren müssen“, so der 2. Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt: „Deshalb sollten wir in den nächsten Tagen Kraft tanken“. Im Januar geht’s los!“

So geht die Stahl-Tarifrunde weiter

Am 10. Dezember beschließt der IG Metall-Vorstand die endgültige Forderung und übermittelt sie an die Stahlarbeitgeber. Der jetzige Tarifvertrag läuft Ende Dezember 2018 ab. Die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern für die Eisen- und Stahlindustrie Nordwest beginnen am 10. Januar 2019. Am 23. Januar findet die zweite Tarifverhandlung statt und am 24. Januar kommt die Tarifkommission zusammen. Die Friedenspflicht endet am 31. Januar 2019 – danach kann die IG Metall die Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie zu Warnstreiks aufrufen, um den Druck zur Durchsetzung der Forderungen zu erhöhen.

Foto: Mitglieder der Tarifkommission beschließen Forderungen zur Stahltarifrunde 2019 – Foto: Thomas Range

 

 

 

 

ÄHNLICHE ARTIKEL