Roulettespiel mit der Zukunft verhindern!

Roulettespiel mit der Zukunft verhindern!

Delegiertenversammlung: Nicht wegducken – auf nach Berlin!

„Viele Unternehmen auch in unserem Organisationsbereich sind auf den digitalen und ökologischen Wandel nicht vorbereitet“, sagte die erste Bevollmächtigte Clarissa Bader im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel. In der Delegiertenversammlung referierte die Gewerkschafterin über das „sperrige“ Thema „Transformation“. Der Strukturwandel werde „die Arbeitswelt grundlegend verändern und weitreichende Auswirkungen für die Beschäftigten haben“.

Digitalisierung, Mobilitätswende und Energiewende – das seien die drei Megathemen, die künftig die Arbeitswelt verändern werden. Doch im betrieblichen Alltag sind sie nach Ansicht der IGM-Bevollmächtigten noch nicht richtig angekommen. „Knapp die Hälfte der Betriebe hat keine oder keine ausreichende Strategie für den digitalen und ökologischen Wandel. Wenn sich die Unternehmen weiterhin so defensiv verhalten, spielen sie Roulette mit der Zukunft der Beschäftigten,“ betonte Clarissa Bader.

IG Metaller*innen erstellen „Transformationsatlanten“

Welche konkreten Auswirkungen der Strukturwandel haben wird, welche Umbrüche auf die Betriebe zukommen, das habe die IG Metall mit der Vorlage von betrieblichen „Transformationsatlanten“ aktuell sichtbar gemacht, die im Frühjahr bundesweit in den Betrieben erstellt wurden. So stelle der Umschwung zu Elektromobilität und Ökoenergie vor allem ein Beschäftigungsrisiko bei Automobilzulieferern dar, aber auch im Maschinenbau- und Anlagenbau sowie der Energieversorgung. „Jeder 5. Arbeitsplatz im Kraftwerks- und Anlagenbau sowie in der Autoindustrie in NRW könnte in den nächsten Jahren gefährdet werden,“ so die IG Metall Bevollmächtigte. 

Besonders die Automobil- und die Zulieferindustrie werde durch den Technologiewandel stark verändert: In 54 Prozent der Betriebe in dieser Branche werde damit gerechnet, dass die Zahl der Arbeitsplätze sinken wird. „Vor allem für die kleinen und mittelständischen Zulieferer-Unternehmen auch in der Region Ennepe-Ruhr-Wupper, die Komponenten für Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren fertigen, kann die Transformation existenzgefährdend werden, wenn sie nicht über neue, zukunftsfähige Geschäftsmodelle verfügen,“ erklärte Clarissa Bader vor den Delegierten.

 

Die Delegierten tagten in Sprockhövel Foto – IGM GH

 

Höchste Zeit, etwas zu tun!

Es sei höchste Zeit, etwas zu tun: Die Unternehmen müssen die anstehenden Veränderungen offensiv angehen. „Dazu gehören Investitionen in neue Produkte, in Prozesse und in neue Geschäftsmodelle. Nötig sind auch eine vorausschauende Personalplanung und betriebliche Qualifizierung, um sicherzustellen, dass die Betriebe den Wandel bewältigen können“, forderte die IG Metallerin unter dem Beifall der betrieblichen Funkionär*innen in der Bildungsstätte. Dieser Wandel könne nur zusammen mit den Beschäftigten gelingen. Die Betriebsräte brauchen deshalb mehr Mitbestimmungsrechte auch bei strategischen Fragen. Dazu gehöre auch ein Initiativrecht für Betriebsräte, um Qualifizierungen auf den Weg bringen zu können.

Druck auf Arbeitgeber und Bundesregierung machen: Auf nach Berlin!

Auch die Politik sei bei der digitalen und ökologischen Transformation in der Verantwortung. „Wir brauchen eine aktive Industrie- und Strukturpolitik“, sagte der zweite Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt. Für Regionen, die vom Strukturwandel besonders betroffen sind, weil sie zum Beispiel stark von der Automobilindustrie abhängen, müssen Strukturfonds aufgelegt werden, um die Veränderungen abzufedern. Die IG Metall fordere darüber hinaus von der Politik die Einführung eines „Transformations-Kurzarbeitergeldes“. Bei Auftragseinbrüchen soll so die Belegschaft gehalten werden, und den Beschäftigten sollen zugleich Angebote zur Weiterbildung gemacht werden, um alsbald für neue Tätigkeiten qualifiziert zu sein.

In den Ausführungen der beiden IGM Bevollmächtigten, aber auch in den Diskussionsbeiträgen aus den Reihen der Delegierten wurde klar: „Wegducken ist die dümmste Strategie!“

Deshalb rufe die IG Metall zu einer Kundgebung unter dem Motto #FairWandel am Samstag, 29. Juni 2019, am Brandenburger Tor in Berlin auf.

Wichtiger Hinweis

Informationen über Abfahrtszeiten und -orte der Busse nach Berlin bzw. Anmeldung für die Mitfahrt bei der IGM Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen: Telefon: 02332-78960

 

Foto: Clarissa Bader bei ihrem Vortrag im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel – IGM GH

 

 

 

 

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