Ein engagierter Gewerkschafter wird 90!

Ein engagierter Gewerkschafter wird 90!

Wir gratulieren: Günter Grünnemann

Der IG Metaller und ehemalige Stahlarbeiter Günter Grünnemann, ein Sachse, der im Ruhrgebiet Wurzeln schlug, wird am 20. November 90 Jahre alt. 1928 in Chemnitz geboren, kam Günter nach dem Ende des 2. Weltkrieges ins Ruhrgebiet. Auf der „Zeche Heinrich“ in Essen-Kupferdreh fuhr der ungelernte Arbeiter über fünf Jahre unter Tage ein, bis die Zeche „ausgekohlt“ war. In dieser Zeit lernte er auch seinen langjährigen Weg- und Kampfgefährten Ernst Schäfer kennen, mit ihm hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Flanschenfabrik Leo Gottwald in der Nähe des Hattinger Bahnhofs, nahm er auf der Henrichshütte zuerst in der Bearbeitungswerkstatt 3 und dann später in der Verladung im Walzwerk eine Tätigkeit auf.

Die Ruhrstadt Hattingen wurde seine neue Heimatstadt. Hier lernte er auch seine Frau Ellen kennen. In der Adenauer-Zeit war der Gewerkschafter und Kommunist Opfer des wieder erstarkenden Antikommunismus in der Bundesrepublik. Dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss hatte es Günter zu verdanken, dass er die neunmonatige Gefängnisstrafe, die er wegen „Rädelsführerschaft“ in Folge des KPD-Verbotsprozesses aufgebrummt bekam, nicht antreten musste: „Papa Heuss hatte entschieden, alle Strafen unter einem Jahr werden ausgesetzt.“

Der IG Metaller engagiert sich für seine Kollegen

In den 50er und 60er-Jahren wuchs die Belegschaft des Hüttenwerkes auf 10.000 Beschäftigte. Es war der damalige Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hattingen Willi Herold, der ihn am 1. März 1952 in die IG Metall holte. Willi Herold (SPD) und Erich Erdmann (KPD), sein Schwiegervater, wurden beide nach dem faschistischen Putsch 1933 in das sogenannte Schutzhaftlager „Börgermoor“ eingesperrt: Wir singen heute noch das Lied der damaligen KZ-Häftlinge „Wir sind die Moorsoldaten“.

Günter wurde Vertrauensmann der IG Metall. Die Kollegen im Walzwerk, das waren damals noch rund 1000 Beschäftigte, wählten ihn als Vertreter in den Betriebsrat. 1962 wurde er Mitglied der Vertreterversammlung Hattingen und später der Delegiertenversammlung Gevelsberg-Hattingen, der er insgesamt 50 Jahre angehörte. 1980 setzte er sich mit seinen Kollegen für einen Umbruch in der Verwaltungsstelle ein, sie wählten Otto König aus dem IG Metall-Bildungszentrum zum 1. Bevollmächtigten. Noch heute mischt der Gewerkschafter aktiv im IG Metall-Senioren-Arbeitskreis in Hattingen mit.

Beim Kampf um die Hütte dabei

Ab Anfang der 1980er- Jahre leistete das Betriebsratsmitglied mit seinen Kollegen entschiedenen Widerstand gegen den Arbeitsplatzabbau durch den Thyssen-Konzern: 1983 gegen die Stilllegung der 2,8-Meter Grobblechstrasse und 1987 gegen die Schließung des Hüttenwerkes und der drohenden Massenentlassungen. Die Stahlarbeiter leisteten mit vielfältigen Aktionen – Kundgebungen in Hattingen, Duisburg, Düsseldorf und Bonn, einer Menschenkette rund um die Hütte, Mahnwachen, einem Dorf des Widerstands auf dem heutigen Gelände des Baumarktes Hellweg – Widerstand gegen die Arbeitsplatzvernichtung und für die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen.

Mit an vorderster Stelle der Walzwerker Günter Grünnemann und unterstützt von der ganzen Familie. Seine Frau Ellen und Tochter Gitta engagierten sich aktiv in der „Fraueninitiative Henrichshütte“ für den Erhalt des Stahlstandortes. „Auch wenn die Thyssen AG die Stilllegung gnadenlos durchgezogen hat, haben wir mit unserem Widerstand die angekündigten Massenentlassungen verhindert,“ fasst Günter den Kampf zusammen. Wie seine Kollegen schied er über den Sozialplan aus den Arbeitsleben aus. 

„Wir gratulieren unserem langjährigen IG Metall-Mitglied und dem engagierten Kämpfer für Gerechtigkeit ganz herzlich zu seinem 90. Geburtstag,“ sagte die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader.

Mit seiner Frau Ellen steht Günter nicht nur am 1. Mai, sondern immer dann, wenn es um die Verteidigung demokratischer Rechte oder um den Kampf für den Frieden geht, mittendrin und bezieht Position.

Foto: Ellen und Günter Grünnemann vor dem Gewerkschaftshaus in Gevelsberg – Fotos: IGM GH-Archiv

 

 

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