„Doppelte Nullnummer“

„Doppelte Nullnummer“

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Metallindustrie: 2. Tarifverhandlung

Wuppertal. In der Metall-Tarifrunde für die rund 700 000 Beschäftigten in NRW stehen die Zeichen auf Konfrontation. Die Metallarbeitgeber boten in der 2. Verhandlung für die ersten drei Monate 2018 eine Einmalzahlung von 200 Euro und danach zwei Prozent mehr Geld für zwölf Monate an. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Arbeitszeiten weiter ausgedehnt und die Schichtzuschläge teilweise abgeschafft werden. „Dieses Angebot ist unverschämt und eine doppelte Nullnummer“, so die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader. Es bedeutet: Mickrige Lohnzahl und länger arbeiten.

Mit einer Kundgebung begleiteten einige hundert MetallerInnen den Start der zweiten Runde in Wuppertal. Sie bekräftigten die Forderung der IG Metall nach sechs Prozent mehr Lohn für zwölf Monate und auf einen Rechtsanspruch für die Beschäftigte ihre wöchentliche Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang auf 28 Stunden reduzieren können. Wer Kinder betreut oder Angehörige pflegt, soll dafür einen Entgeltzuschuss in Höhe von 200 Euro pro Monat bekommen. Beschäftigte in Schichtarbeit und anderen belastenden Arbeitsmodellen sollen pro Jahr einen Zuschuss von 750 Euro bekommen.

Schnell wurde klar. Der Knackpunkt in der diesjährigen Tarifrunde sind die gegensätzlichen Vorstellungen zur Arbeitszeit. Die NRW-Metallarbeitgeber haben in Wuppertal Arbeitszeiten die zum Leben passen, zurückgewiesen, das sei „ein no go“. Sie legten „realitätsferne“ Gegenforderungen auf den Tisch gelegt. Diese sind für uns „inakzeptabel“, so IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler, denn sie würden dazu führen „die 35-Stunden-Woche aufzuheben und die Schichtzuschläge abzuschaffen“. An die Arbeitgeber gewandt sagte er: „Sie sitzen mit Dynamit-Stangen am Lagerfeuer. Sollten sie bei ihrer Verweigerung bleiben, ist ein Großkonflikt unausweichlich“.

Schon vor der Verhandlung posaunte Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger in die Lande: „Wer mehr arbeitet, verdient mehr. Wer weniger arbeitet, verdient weniger“. Mehr Geld fürs Nichtstun wird es mit uns nicht geben. „Nichtstun“ – so bewerten die Arbeitgeber also die Zeit, die man für Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen aufwendet. Vielleicht weil es deren Familien leichter fällt, private Betreuung oder Pflegekräfte zu bezahlen. Manager haben höhere Einkommen. Sie arbeiten auch nicht in Wechselschicht.

„Wer die Bedürfnisse der Beschäftigten nicht zur Kenntnis nimmt und auf unsere Argumente nicht hören will, der wird die Empörung aus den Betrieben zu spüren bekommen“, ist die IG Metall-Bevollmächtigte Bader überzeugt. Auf das mickrige Angebot, ihre Weigerung über eine kurze Vollzeit zu reden und die Frechheit Schichtzuschläge streichen zu wollen werden die Beschäftigten ab 8. Januar 2018 mit Warnstreiks antworten. Clarissa Bader: „Lasst uns miteinander für morgen kämpfen!“ Die dritte Tarifverhandlung findet am 18. Januar 2018 in Neuss statt.

Foto: Thomas Range

 

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