Die Uhr tickt!

Die Uhr tickt!

Delegierte tagten gemeinsam in Schwelm

Schwelm „Nichts bleibt unberührt von den gewaltigen Umbrüchen der Arbeitswelt, die wir gerade erleben. Fortschreitende Digitalisierung hält Einzug in die Betriebe,“ so die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader in Schwelm. Im dortigen Ibach-Haus tagten die Delegierten der Geschäftsstellen Gevelsberg-Hattingen und Wuppertal gemeinsam. „Wir brauchen eine Analyse über den Stand der Einführung der Transformation, Einflussmöglichkeiten zu deren Gestaltung und öffentlichen Druck.“ Deshalb rufe die IG Metall am 29. Juni zu einer Großkundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin auf: Die Uhr tickt #Fairwandel – sozial, ökologisch, demokratisch – „Nur mit uns!“

Der in Gang gekommene Prozess der Transformation, der Digitalisierung bzw. Industrie 4.0 habe eine massive Veränderung der Arbeitswelt zur Folge. Um diese Transformation in den Betrieben sozial, ökologisch und demokratisch gestalten zu können, sei „eine gesamtgesellschaftliche Strategie der IG Metall notwendig“, so die IGM Bevollmächtigte. Teil einer solchen Strategie müsse die Ausweitung der betrieblichen und wirtschaftlichen Mitbestimmung sein, damit die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen den Prozess „nicht nur begleiten, sondern auch gestalten können“.

Die Delegierten verabschiedeten einen Antrag an den 24. Ordentlichen Gewerkschaftstag in Nürnberg, in dem der Vorstand der IG Metall aufgefordert wird, eine „solche Strategie“ zu entwickeln, die auch enthalten soll, dass Unternehmen, die Gewinnen machen, sich an den Kosten der Transformation beispielsweise durch eine Fondlösung beteiligen sollen. Daraus sollen u.a. Qualifizierungen finanziert werden. Clarissa Bader betonte: „Wir brauchen auch eine Anpassung der Sozialversicherungssysteme wie mehr Qualifizierungsangebote, Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes, Veränderungen beim Kurzarbeitergeld und eine stabile Rente, die zum Leben reicht.“

Der Wind wird rauer

Zuvor ist die hauptamtliche Gewerkschafterin auf betriebliche Konflikte im Bereich der beiden Geschäftsstellen eingegangen, die einerseits durch Auftragsrückgänge speziell im Bereich der Automobilzulieferer und andererseits durch strukturelle bzw. hausgemachte Probleme bedingt sind. Gerade bei letzterem werde den Arbeitnehmer*innen vielfach „Sanierungsbeiträge abgenötigt“, statt „nachhaltige Zukunftsstrategien“ zu entwickeln. „Unsere Kolleginnen und Kollegen spüren: Der Wind wird rauer“, so Clarissa Bader.

Dies stellte auch der 2. Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt in den laufenden Verhandlungen in der Stahlindustrie fest. Die IG Metall fordert in der Tarifrunde für die rund 72 000 Stahl-Beschäftigten im Nordwesten neben sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten eine zusätzliche Urlaubsvergütung von 1800 Euro, die in freie Tage umgewandelt werden kann. Zudem sollen die Tarifverträge zur Altersteilzeit, zur Beschäftigungssicherung und zu Werkverträgen verlängert werden.

Erst nach massiven Warnstreiks hätten die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt: 2,5 Prozent zum 01. April 2019 bei einer Laufzeit von 27 Monaten und mit Wirkung ab 01. Juli 2020 eine zusätzliche jährliche Urlaubsvergütung in Höhe von 600 Euro angeboten, die von einem eingeschränkten Personenkreis in Zeit umgewandelt werden könnte. „Die große Verärgerung über das mickrige Angebot beim Entgelt und die Einschränkungen bei der Umwandlung von Urlaubsvergütung in freie Tage, habe u.a. bei DEW in Witten und Hattingen erneut zu Arbeitsniederlegungen geführt,“ berichtete Mathias Hillbrandt. Die IG Metall erwarte in der fünften Runde am 16. März dann „einen großen Sprung der Arbeitgeber“. Wenn dies nicht geschehe, werde „eine weitere Eskalation in der Tarifrunde nicht zu verhindern sein“.

Der 2. Bevollmächtigte informierte die Mitglieder der Delegiertenversammlung auch über die Entwicklung der Mitglieder und Finanzen in beiden Geschäftsstellen und forderte die betrieblichen Funktionäre auf, beim Thema „Mitgliederwerbung“ dranzubleiben, denn „nur so stärken wir unsere Durchsetzungskraft“, die bei den künftigen Herausforderungen immer wichtiger werde.

Wahl der Delegierten zum IG Metall-Gewerkschaftstag

Mit Blick auf den im Herbst anstehenden Gewerkschaftstag der IG Metall wählten die Mitglieder der Delegiertenversammlung ihre Delegierten, die in Nürnberg die Mitglieder vor Ort vertreten sollen. Clarissa Bader und Damianos Koukoudeas wurden als Delegierte sowie Udo Kuhlmann und Andreas Steinke als Ersatz-Delegierte für Gevelsberg-Hattingen gewählt. Die Delegierten von Wuppertal werden von Uto Ullmann und Sascha Höfler sowie Michael Müsgen und Frank Grawunder als Ersatzdelegierte vertreten. Darüber hinaus beschlossen die Anwesenden zwei weitere Anträge an den Kongress: So werden der Funktionsbereich Bildung und die Bildungsstätten aufgefordert, Bildungskonzepte zu konzipieren, die sich mit dem ausweitenden Rechtspopulismus auseinandersetzen. Des weiteren werden die Tarifkommissionen in der Metallindustrie aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Stichtagsregelung für Teilzeitbeschäftigte zur Umwandlung des T-Zuges A aufgehoben wird.

Am 26. Mai ist Europawahl: Europa braucht und sozialen Zusammenhalt

Der DGB und die IG Metall machen sich stark für ein soziales, solidarisches und gerechtes Europa. „Die Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai 2019 sind eine Richtungsentscheidung für die Arbeitnehmer*innen“, sagte Clarissa Bader. Die europäische Wirtschaft sei derzeit durch eine rigide Sparpolitik und neoliberale Konzepte wie den Abbau sozialstaatlicher Leistungen und Lohnkürzungen geprägt. Dies führe dazu, dass „rechtspopulistisch-nationalistische Kräfte politischen Auftrieb haben“. Eine geringe Wahlbeteiligung begünstige die Rechten, um diese Entwicklung zu stoppen, „müssen die Arbeitnehmer*innen zur Wahl gehen“, appellierte die Erste Bevollmächtigte an die ehrenamtlichen Funktionäre.

Fotos: IGM G-H

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