„Wir müssen uns einmischen, uns gemeinsam wehren“

„Wir müssen uns einmischen, uns gemeinsam wehren“

Gelungene Veranstaltung zum „Internationalen Frauentag“

Sprockhövel. Vieles hat sich aufgrund gewerkschaftlicher Kämpfe zum Positiven entwickelt, vieles hat sich gerade für Frauen vom Schlechteren zum Besseren, wenn auch noch nicht zum Guten gewendet. Und nichts ist sicher: Keine gesellschaftliche oder sozialpolitische Errungenschaft. Das gilt nicht nur für die Frauen, aber auch für sie, das machte Vanessa Barth im IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel deutlich. Rechtspopulisten, angefangen von Donald Trump in den USA, über Le Pen in Frankreich bis zur AFD in Deutschland, hätten ein Frauenbild zurückgebracht, das längst überwunden zu sein schien, führte die Bereichsleiterin aus der Frankfurter IGM-Vorstandsverwaltung aus. AfD, Pegida und Co. würden nationalvölkisches Gedankengut mit einer reaktionären Frauenrolle verquicken.

Foto: Kolleginnen des IGM Frauenausschuss empfangen die BesucherInnen

Zuvor hatten die KollegInnen vom Frauenausschuss der IG Metall Gevelsberg-Hattingen die vielen BesucherInnen mit einem Sekt herzlich empfangen. Bücher- und Infostände luden ein, sich zu informieren. Bei der Begrüßung hob die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader hervor, dass der „Internationale Frauentag“ keineswegs an Bedeutung verloren habe. Nach wie vor gelte es „für mehr Gleichberechtigung in den Betrieben und der Gesellschaft, für Frieden und die Einhaltung von Menschrechten“ weltweit einzutreten. „Wir müssen uns gemeinsam wehren, wenn die Würde und die Rechte von Frauen angegriffen werden“, sagte Bader.

Gleichstellung im Jahr zum Jahr 2186?

Vanessa Barth setzte sich in ihrem interessanten Beitrag insbesondere mit der These auseinander, mit dem Einzug der Digitalisierung in den Betrieben würden die Chancen für Frauen steigen und die neuen technischen Möglichkeiten würden eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erlauben. Allerdings, so die IG Metallerin, werde der IT-Bereich überwiegend von Männern dominiert, während Frauen vielfach „in sogenannten Shared Service Centern tätig seien, die am häufigsten von Outsourcing und Arbeitsplatzabbau“ betroffen seien.

Foto: Vanessa Barth aus Frankfurt bei ihrem Referat

Vanessa Barth stellte fest: „Analog oder digital – von einer vollständigen Gleichstellung der Frauen insbesondere in der Arbeitswelt sind wir noch weit entfernt“. Wenn es im bisherigen Tempo weitergehe, dauere es bis zum Jahr 2186, bis Männer und Frauen am Arbeitsplatz gleichgestellt seien. „Deshalb ist es notwendig, dass wir uns einmischen, unsere Interessen artikulieren und die Veränderung mitgestalten“, sagte die Gewerkschafterin unter Beifall der TeilnehmerInnen der Veranstaltung.

„Weg mit der Teilzeitfalle“

Die IG Metall halte an ihrer Forderung nach einem Rückkehrrecht von Teilzeit zur Vollzeit fest. Zwar würden auch immer mehr Männer Elternzeit in Anspruch nehmen, doch nach wie vor sind es meistens Frauen, die sich die Zeit nehmen, um Kinder oder Angehörige zu betreuen und deshalb von einem Vollzeit in einen unbefristeten Teilzeit-Job wechseln. „Sie landen in der Teilzeit-Falle, weil ihnen die Rückkehr auf eine Vollzeitstelle verwehrt wird“, so Vanessa Barth.

Es sei zu begrüßen, dass der Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit jetzt im „Gesetzentwurf zur Reform des Teilzeit- und Befristungsgesetzes“ in Form der befristeten Teilzeit verwirklicht werden soll. „Allerdings hilft das Gesetz, denjenigen Beschäftigten, die bereits heute unbefristet in Teilzeit arbeiten, nicht weiter“, kritisierte die Gewerkschafterin aus der IG Metall-Zentrale. Und es sei „eine Schande“, dass selbst dieser ungenügende Gesetzentwurf von den Arbeitgebern und der CDU/CSU blockiert werde. Das unterstreiche das Motto der IG Metall-Frauenarbeit: „Unser Jahr hat 365 Frauentage“, an denen wir für unsere Forderungen aktiv werden, uns einmischen müssen.

Foto:  „An den Haaren herbeigezogen“ hieß es im Salon Sylvia

„Chorale Feminale“ im Salon „Sylvia“

Dann luden 14 Frauen des Essener Chores „Chorale Feminale“ in den Friseur-Salon „Sylvia“ ein. Sie präsentierten ihr neues Programm „An den Haaren herbeigezogen“. Kabarettistisch und musikalisch brachten sie zu Gehör, was „Frau so unterm Pony hat“. Köpfe wurden gewaschen, geföhnt und gegen den Strich gebürstet. Gekonnt wurden Themen des Lebens hochtoupiert, kommentiert und zu Locken gedreht. Dass der Besuch dieses Friseur-Salons sich gelohnt hat, zeigte sich nicht zuletzt am Beifall der Gäste, die sich Zugaben herbei klatschten. Die Resonanz der BesucherInnen war eindeutig: Eine gelungene Veranstaltung der IG Metall Geschäftsstelle und des IG Metall-Bildungszentrums Sprockhövel zum Internationalen Frauentag.

Fotos: Thomas Range

 

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