„Sich für und mit anderen einsetzen“

„Sich für und mit anderen einsetzen“

Wilfried Konietzko, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender Firma Zeschky Galvanik

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1956, der spätere Betriebsratsvorsitzende der Firma Zeschky Galvanik, Wilfried Konietzko, war gerade mal 15 Jahre alt und begann in jenem Jahr seine Lehre als Chemielaborant, während im Herbst des gleichen Jahres die MetallarbeiterInnen in Schleswig-Holstein für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in den Streik traten. Dieser 16-wöchige Arbeitskampf für die Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten, also um mehr soziale Gerechtigkeit in der Arbeitswelt, habe ihn nicht nur beeindruckt, sondern war für ihn auch Anlass, zunächst in die Gewerkschaft IG Chemie, Papier und Keramik und später in die IG Metall einzutreten, erzählt der Metaller, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiern kann.

Im Kriegsjahr 1941 wurde Wilfried Konietzko im Diakonissen-Krankenhaus in Witten geboren. In Rüdinghausen, einem Stadtteil der Ruhrgebietsstadt, machte Wilfried seine ersten Schritte ins Leben, das insbesondere in der Nachkriegszeit gerade für Arbeiterfamilien kein „Zucker schlecken“ war. Hier ging er auch zur Schule. Sportlich beschränkte er sich, wie er sagt „aufs zuschauen“. Eine Tugend, die er sich heute bewahrt hat.

Im Werk Witten der Unternehmensgruppe Imhausen-Chemie begann der Jugendliche 1956 seine Lehre als Chemielaborant. Noch während seiner Ausbildung wurde das Werk an der Ruhr, das als „Chemische Werke Witten“ firmierte, an Dynamit Nobel verkauft. Imhausen konzentrierte seinen Chemieanlagenbau auf den Standort Lahr im Schwarzwald.

Nach kurzer Tätigkeit im Labor seines Ausbildungsbetriebes zog es ihn zum Arbeiten in die Nachbarstadt Bochum. Hier hatte die Adam Opel AG Anfang der 1960er-Jahre auf dem Gelände der Zeche Dannenbaum ein neues Automobilwerk bauen lassen. Der langjährige Gewerkschafter gehörte mit zu den ersten Beschäftigten im Opel-Werk, die dazu beitrugen, dass Mitte 1963 der „Opel Kadett A“ von den Bändern rollen konnte. „Es war der höhere Verdienst, der mich bewog, ans Fließband zu gehen“, erzählt Wilfried. Letztlich war aber auch die „taktgebundene, harte Maloche“, die den Ausschlag dafür gab, dass er nach rund 1,5 Jahren die Arbeitsstelle wechselte.

Nach einer Reihe wechselnder Tätigkeiten mit unterschiedlichen Längen, zwischendurch auch als freier Handelsverkäufer im gesamten Bundesgebiet und Auto-Verkäufer in Kierspe, bekam Wilfried Konietzko 1977 eine Anstellung als Anlagenbediener bei der Zeschky Galvanik, ein Unternehmen für Beschichtungstechnik im Gewerbegebiet Am Nielande an der A1 in Volmarstein. Im gleichen Jahr warb ihn der damalige Betriebsratsvorsitzende für die IG Metall.

Zwei Jahre später wurde Wilfried zum ersten Mal in den Betriebsrat gewählt. Zu diesem Zeitpunkt waren noch rund 200 Kolleginnen und Kollegen in der Firma beschäftigt, die hauptsächlich Lohnfertigung für die Automobilindustrie betreibt. „Sich für und mit anderen einsetzen, gemeinsam  Arbeitsbedingungen verbessern, das war für mich die Motivation, warum ich kandidierte“, sagt der spätere Betriebsratsvorsitzende.

Im Jahr 1991 „kürten“ ihn seine Betriebsratskollegen zu ihrem Vorsitzenden. Diese Funktion, später auch als freigestellter Betriebsratsvorsitzender, hatte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben 2001 inne. Die IG Metall-Mitglieder wählten ihn Anfang der 1990er-Jahre auch in die Vertreterversammlung der IG Metall Gevelsberg, heute vertritt er die Senioren-Mitglieder in der Delegiertenversammlung der IG Metall Gevelsberg-Hattingen.

Eine schwierige Zeit sei Mitte der 1990er-Jahre entstanden, „da wurde der Betriebsrat von der Geschäftsführung mit Personalabbauplänen konfrontiert“, schildert der Gewerkschafter. Ein Sozialplan sei im Raum gestanden. Schließlich hätten sie mit dem damaligen IG Metall-Bevollmächtigten Franz Bogen ein „Konzept durchgesetzt, mit dem die geplanten 25 Entlassungen verhindert werden konnten“. „Dafür mussten wir aber die Samstags-Mehrarbeitsprozente opfern, konnten dafür  jedoch die Tarifbindung festzurren“, beschreibt Wilfried die schwierige Situation. Dennoch sei die Vereinbarung nicht bei allen Kolleginnen und Kollegen auf Gegenliebe gestoßen.

Seine „arbeits“- rechtlichen Kenntnisse, die er sich angeeignet hatte, konnte der IG Metaller auch als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Hagen und womöglich auch als Schöffe beim Landgericht in Hagen anwenden. Seine Erfahrungen mit diesen „juristischen“ Aktivitäten waren wohl mit ausschlaggebend, mit einem Ja zu antworten, als ihn sein Bürgermeister fragte, ob er nicht als Schiedsmann aktiv werden möchte. „Schließlich ist es bei dieser Tätigkeit mein Ziel im gemeinsamen Gespräch mit den Streitenden, Klagen vor Gericht abzuwenden“, erklärt Wilfried.

In der Freizeit widmete sich Wilfried Konietzko über mehrere Jahrzehnte seinen Lieblingssportarten Handball und Fußball, jedoch nicht als aktiver Spieler. Beim Handball war er als Mitglied beim VfB Westfalia Wetter lange Zeit als Schiedsrichter tätig und beim Fußballverein FC Wetter übernahm er von 1990 bis 2011 den Vorsitz. Heute ist Wilfried Ehrenvorsitzender und aktiver Fan. Natürlich kommt an dieser Stelle die obligatorische Frage: Mit wem hältst du es in der Ersten Fußball-Bundesliga? Sein erstaunter Blick war schon die Antwort: Natürlich mit dem BVB in Dortmund.

Nein, langweilig sei es ihm nicht geworden, nachdem er in den Ruhestand gewechselt war. Seine ehrenamtlichen Aktivitäten halten ihn auf Trapp, schließlich sei neben der Schiedsmann-Tätigkeit, noch die Teilnahme an der IG Metall-Delegiertenversammlung sowie im DGB-Senioren-Arbeitskreis auf örtlicher Ebene und die Mitarbeit auf Landesbezirksebene des DGB in Düsseldorf.

Foto: Wilfried Konietzko (Mitte) im Gespräch Peter Pangerl und Jürgen Iske in Sprockhövel (v.l.n.r.) 
Foto: IGM-GH-Archiv