Rendite „im Plus“ – Arbeitsplätze „im Minus“

Rendite „im Plus“ – Arbeitsplätze „im Minus“

Dormakaba: Interessenausgleich und Sozialplan abgeschlossen

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Ennepetal. „Dormakaba ist nach der Fusion auf Kurs“, so die Botschaft des CEO Riet Cadonau aus dem schweizerischen Rümlang: Der Konzerngewinn ist im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016/2017 um 43% auf 95,8 Mio. CHF geklettert und damit im Geschäftsjahr 2018/19 eine Rendite von 18 Prozent erzielt werden kann, werden an den deutschen Standorten bis 2019 insgesamt 422 Arbeitsplätze abgebaut.

Nach langwierigen Verhandlungen konnte Anfang März 2017 zwischen dem Konzernbetriebsrat und der Geschäftsführung der dormakaba DACH ein Interessenausgleich und Sozialplan abgeschlossen werden. Im Mittelpunkt der im Interessenausgleich fixierten Maßnahmen stehen die Verlagerung der Produktion der Schließer TS 93 und BTS 80 vom Standort Ennepetal in das Werk im asiatischen Stadtstaat Singapur und damit der Verlust von 173 Arbeitsplätzen, sowie der Abbau von 122 Arbeitsplätzen in den Bereichen wie Verwaltung, Finanzen, Vertrieb Innendienst und Human Ressource als Folge von „Synergieeffekten und Doppelbesetzungen“, die sich im Zuge der Integration beider Unternehmen ergeben hätten. Aber auch bei Dorma-Glas in Bad Salzuflen und Dorma Hüppe in Westerstede werden Stellen gestrichen bzw. von Kaba Mauer in Heiligenhaus ins thüringische Bad Berka bzw. zur Silca GmbH nach Velbert verlagert.

„Das war einfach nicht gewollt!“

Über den noch hundert Beschäftigten der Dorma Beschlagtechnik GmbH in Neviges hängt das Damoklesschwert „Verkauf des Werkes“, der bis Juni 2017 vollzogen sein soll. Als Gegenkonzept hatten in den zurückliegenden Wochen Konzernbetriebsratsmitglieder gemeinsam mit den Beratern Kay Kürschner und Andreas Fels der Essener Project Consult (PCG) ein „praktikables und wirtschaftlich durchgerechnetes Konzept“ zum Verbleib des Werkes im dormakaba-Verbund ausgearbeitet.

„Der Vorschlag wurde vom COO Access Solutions DACH Dieter Sichelschmidt rundweg abgelehnt“, kritisiert der stellv. Konzernbetriebsratsvorsitzende Dirk Ischen, zugleich Betriebsratsvorsitzender in Velbert, und fügt verärgert hinzu: „Das war einfach nicht gewollt“. Für Jörg Kannapin steht fest, dass die Ablehnung des Vorschlags der Arbeitnehmerseite ein gravierender Fehler der Geschäftsführung war. Sie hätten mit der Annahme „ein klares Signal in die Belegschaften zu senden können“, dass zur neuen „Firmenkultur“ gehört, vernünftige Vorschläge der Interessenvertretung aufzugreifen und die bisher unter der Dorma-Krone praktizierte Balance zwischen „Profitabilität und sozialem Frieden“ fortzusetzen.

Arbeitsplatz-Abbau vorrangig über Altersteilzeit

Nach dem Abschluss der monatelangen Verhandlungen steht nun fest: Die Verringerung der rund 3.500 vorhandenen auf ca. 3.100 künftige Arbeitsplätze an den bundesdeutschen Standorten wird „vorrangig über die Nutzung der Altersteilzeit“ erfolgen. „Es gelang uns im Sozialplan über den Tarifvertrag Flex-Ü hinausgehende Regelungen durchzusetzen“, erläutert Jörg Kannapin. Das gelte sowohl für die Quotierung, die Länge der Altersteilzeit, sowie den Aufstockungsbetrag. Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit eines „Ringtausches“, d.h. Nicht-Betroffene können die ATZ in Anspruch nehmen und dafür wird ein/e Betroffene/r aus der Maßnahme herausgenommen.

Sollte wider Erwarten das Instrument Altersteilzeit nicht ausreichen und Kündigungen notwendig werden, um den Arbeitsplatzabbau bewältigen zu können, greift die im Sozialplan vereinbarte Abfindungsregelung – 1,25 Brutto-Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr sowie ein zusätzlicher Betrag für Schwerbehinderte entsprechend des Grades ihrer Behinderung, sowie Zuschläge für Kinder, erklärt Dirk Ischen. Den Betroffenen werde darüber hinaus der Wechsel in eine Transfergesellschaft mit einer maximalen Dauer von zehn Monaten angeboten, während dieser Zeit wird das gesetzliche Transfer-Kurzarbeitergeld von 60 bzw. 67 Prozent um 20 Prozent aufgestockt wird. Darüber hinaus wurden ein Qualifizierungstopf sowie ein „Sprinter-Prämie“ beim vorzeitigen Ausscheiden aus der Transfer-Gesellschaft festgelegt. Für die verbleibende Belegschaft wurde der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis zum 30. Juni 2020 festgeschrieben.

„Wir bekommen für dieses Verhandlungsergebnis aus den Reihen der Belegschaft positive Rückmeldungen, der Tenor lautet ‚das habt ihr gut gemacht“, merkt Jörg Kannapin an und fügt hinzu: „Natürlich wissen unsere Kolleginnen und Kollegen, dass keine noch so guten materiellen Regelungen einen Arbeitsplatz ersetzen können“. Eine wichtige Voraussetzung für diesen „Erfolg“ sei die kompetente Unterstützung in den Gesprächen mit der Gegenseite durch die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader und den Rechtsanwalt Lutz Ellinghaus gewesen. Kannapin und Ischen heben hervor, dass ein wichtiges Pfund für die Interessenvertretung in den Verhandlungen „die Geschlossenheit aller Standort-Betriebsräte über die lange Zeitphase“ gewesen sei.

Foto: Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Jörg Kannapin und sein Stellvertreter Dirk Ischen (v.r.n.l.)
Foto: IGM – GH