Mit dem „Team“ den Ball im „gegnerischen“ Korb versenken

Mit dem „Team“ den Ball im „gegnerischen“ Korb versenken

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Dennis Schindehütte - neuer Gewerkschaftssekretär in Gevelsberg

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Viel Zeit zum Einarbeiten blieb ihm nicht, dem 2011 neu ins Amt des Betriebsratsvorsitzenden gewählten IG Metallers. Der kanadische Konzern Bombardier, der 1998 die in Berlin ansässige Deutsche Waggonbau AG (DWA) erworben hatte, konfrontierte Dennis Schindehütte und seine Betriebsratskollegen ein Jahr später mit der Hiobsbotschaft, dass 300 Beschäftigte am Standort Kassel ihre Arbeit verlieren sollen. Es folgten schwierige Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. „Letztlich gelang es uns die Zahl auf 112 reduzieren. Dennoch jeder Betroffene war zu viel“, sagt Dennis und fügt hinzu: „Das geht unter die Haut. Du kennst ja schließlich jeden Kollegen.“

Fünf Jahre später – am 1. November 2017 – wird Kollege Schindehütte offiziell seine Tätigkeit als Gewerkschaftssekretär in der Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen aufnehmen. Positiv findet er, dass er während des „Trainee-Programms“ bei der IG Metall schon praktische Erfahrungen vor Ort sammeln und viele ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen kennen lernen konnte. Es sei die „direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet“, die ihm gefalle. Diese positive Erfahrung habe wesentlich zu der Entscheidung beigetragen, sich künftig hauptamtlich im Ennepe-Ruhr-Kreis für die arbeitenden Menschen zu engagieren.

Dennis Schindehütte wurde 1980 in der nordhessischen Metropole Kassel geboren. In der „documenta“-Stadt besuchte er die Grundschule und in der Nachbargemeinde Vellmar die Realschule. Schon früh begeisterte er sich für Basketball, nicht verwunderlich angesichts seiner Größe, aber auch für Fußball. Die Technik den „gegnerischen“ Korb zu treffen und auch das aufeinander „abgestimmte Mannschaftsspiel“ waren gute Voraussetzungen für sein späteres gewerkschaftliches Engagement.

Im Jahr 1997 begann Dennis bei der Lokomotivenfabrik ABB Hentschel, später Adtranz (ABB Daimler-Benz Transportation) und dann Bombardier Transportation – Bau von Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven – seine Ausbildung als Industriemechaniker. Gleich zu Beginn wurde er Mitglied der IG Metall. Mit dazu beigetragen hatte auch das Elternhaus, schließlich war sein Vater aktiver Gewerkschafter im gleichen Betrieb. Die Auszubildenden wählten ihn in die Jugendvertretung. Er übernahm den Vorsitz und engagierte sich im Ortsjugendausschuss der IG Metall Kassel.

„Schafft er das?“

Nach dem der junge IG Metaller seinen Zivildienst absolviert hatte, kehrte er in den Betrieb zurück und arbeitete als Industriemechaniker in der Endmontage des Lokomotivbaus. Seine Kollegen wählten ihn zum Vertrauensmann und 2010 in den Betriebsrat. Als der 31jährige ein Jahr später die Funktion des Betriebsratsvorsitzenden übernahm, gab es schon kritische Stimmen von wegen „schafft der das“, erinnert sich Dennis. In der darauffolgenden harten Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber, in dem sie so manchen „Ball im gegnerischen Korb“ versenken konnten, gelang es ihm die letzten Zweifler zu überzeugen. Bei der Betriebsratswahl 2014 wurde er mit 82 Prozent wiedergewählt. Und als ausgewiesener „Teamplayer“ forcierte er den „Aufbau von Strukturen“ und die „Zusammenarbeit“ im neu gewählten Betriebsratsgremium.

Für Dennis Schindehütte war von Anfang klar, dass er seine betriebliche Interessenvertreterarbeit mit der gewerkschaftlichen Arbeit verzahnen muss. „Ein Betriebsrat kann ohne Rückendeckung seiner KollegInnen und ohne Unterstützung der IG Metall keine vernünftige Arbeit leisten“, ist der ehemalige Betriebsratsvorsitzende überzeugt: „Nur so und ausgestattet mit dem notwendigen Wissen kannst du dem Arbeitgeber auf Augenhöhe gegenübertreten.“

Er wurde Mitglied in der Delegiertenversammlung und im Ortsvorstand in Kassel, ließ sich zum ehrenamtlichen Referenten in der Bildungsarbeit qualifizieren und vermittelte selbst Kenntnisse in den regionalen Seminaren im Bezirk Mitte der IG Metall. Angeregt durch die Seminartätigkeit reifte bei Dennis der Gedanke „noch einmal etwas Neues zu machen“. Natürlich bot sich an, seine bisherige „ehrenamtliche“ Tätigkeit in „hauptamtlicher“ Funktion fortzusetzen.

Nach einem sechsmonatigen Einsatz als Jugendbildungsreferent in der Bezirksleitung Mitte, begann Dennis ein 12-monatiges Studium an der „Europäischen Akademie für Arbeit“ in Frankfurt/Main. Dennis: „Es ist eine sehr gute Möglichkeit deine bisherige betriebliche Praxis mit theoretischem Wissen zu unterfüttern, Entwicklungen zu hinterfragen und dich politisch weiter zu entwickeln.“

„Tief im Westen“

Seinen ersten „Praxiseinsatz“ im darauffolgenden „Traineeprogramm“ machte er „tief im Westen“, wie Herbert Grönemeyer in seinem 25 Jahre alten Hit „Bochum“ singt, in der IG Metall Geschäftsstelle Bochum-Herne. Hier im Ruhrgebiet habe er sich gleich „gut aufgenommen gefühlt“. Der Umgang der Menschen im „Revier“, ihre offene Diskussion, das Direkte, habe ihn beeindruckt. Es hätten sich gleich Kontakte entwickelt, so auch zur Ersten Bevollmächtigten Clarissa Bader. „Als sie mich fragte, ob ich mir vorstellen könne in der Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen zu arbeiten, musste ich nicht lange überlegen“, sagt Dennis.

Am 1. November nimmt er offiziell seine Arbeit als Gewerkschaftssekretär südlich der Ruhr nahe am Bergischen in der Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen auf. Er freue sich schon jetzt auf die Zusammenarbeit mit dem Team in der Geschäftsstelle und den ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben. Natürlich hofft er, dass ihm auch künftig Zeit bleibt, insbesondere für seine Frau und seine Freunde.

Dennis Schindehütte Foto: IGM-GH