IG Metall Gevelsberg-Hattingen lotet künftige Zusammenarbeit in der Region aus

IG Metall Gevelsberg-Hattingen lotet künftige Zusammenarbeit in der Region aus

IG Metall stellt sich neu auf

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Sprockhövel. Die IG Metall im Ruhrgebiet stellt sich neu auf: Geschäftsstellen rücken enger zusammen. Einer der Gründe ist der Verlust von zehntausenden Industriearbeitsplätzen an der Ruhr und in den angrenzenden Regionen in den vergangenen Jahren. „Die entscheidende Frage lautet: Wie können wir dennoch künftig das Niveau unserer qualitativ guten Betreuungsarbeit für unsere Mitglieder sicherstellen“, sagte Clarissa Bader im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel.

Tatsache sei: Die Arbeitsplatzvernichtung mache auch vor dem Ennepe-Ruhr-Kreis nach wie vor nicht halt. Die Erste Bevollmächtigte berichtete in der Delegiertenversammlung z.B. von den Verhandlungen über einen Interessenausgleich/Sozialplan bei dormakaba in Ennepetal, wo ein börsennotierter Konzern wegen dem selbstgesteckten Renditeziele von 18 Prozent Stellen abbaue. Und Gewerkschaftssekretär Sven Berg schilderte die Bemühungen des Betriebsrates bei A+Z in Hattingen gemeinsam mit der IG Metall bei der Übernahme durch einen neuen Eigentümer, so viel Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Auch bei HADI Offermann in Gevelsberg werden Arbeitsplätze durch die Stilllegung der Produktion gefährdet.

Diese seit längerem anhaltende Entwicklung wirke sich, so die Gewerkschafterin, natürlich auf die Mitgliederzahlen aus. Trotz der guten Mitgliederwerbung durch die ehrenamtlichen Funktionäre in den Betrieben, sei die Zahl von 10.000 Mitgliedern in der Geschäftsstelle unterschritten worden. Mit ein Grund dafür sei, die hohe Zahl an Sterbefällen aus dem Kreis der Senioren und ehemaligen Sozialpläner. An die Delegierten gewandt, sagte Clarissa Bader: „Betrachten wir die euch vorliegenden Finanz-Zahlen, müssen wir uns keine akuten Sorgen machen.“ Dennoch wäre es fahrlässig, „vor künftigen Entwicklungen die Augen zu verschließen“.

Mandat für Sondierungsgespräche erteilt

Vergleichbare Entwicklungen hätten beispielsweise zu Projekten in „Dortmund und Bochum/Herne“ sowie in der „Region Mülheim, Essen und Oberhausen“ geführt, wie man sich  neu aufstellen kann. Die Mitglieder des Ortsvorstands Gevelsberg-Hattingen hätten in den zurückliegenden Wochen ernsthaft diskutiert, ob sich die Geschäftsstelle dieser Entwicklung entziehen soll oder, ob es nicht besser sei, aktiv in diesen Prozess einzusteigen. „Wir sind zur Zeit keine Getriebenen und könnten somit unsere Zukunft in einem möglichen neuen geografischen Gebilde autonom mitgestalten“, betonte Clarissa Bader.  

Die Mitglieder des Orstvorstandes haben der Ersten Bevollmächtigten das Mandat erteilt, „Sondierungsgespräche“ zu führen, wie eine künftige Zusammenarbeit mit den Geschäftsstellen Witten und Wuppertal gestaltet werden könne. Als erstes gemeinsames Projekt sei angedacht, dass Gewerkschaftssekretärin Nadine Schroeer-Krug für die Jugendarbeit in den drei Geschäftsstellen zuständig sein soll.

In der anschließenden Debatte stimmten die Diskutanten grundsätzlich dem eingeschlagenen Weg zu. „Es ist richtig, die Kräfte zu bündeln“, meinte Tina Flügge. Luis Martinez stellte die Frage: „Warum die Zusammenarbeit nicht auf den EN-Kreis beschränken?“ Wolfgang Lange sprach die Erwartung aus, die an diesem Abend viele bewegte, dass gleich wie das künftige Gebilde aussehen mag, es wichtig sei „eine qualitativ gute Betreuung der Mitglieder sowie Betriebsratsmitglieder, Vertrauensleute und Javis in den Betrieben weiterhin sicherzustellen.“ Zu den Plädoyers von Jakobus Fröhlich und Heinz Vöhringer, dass die „IG Metall wieder kämpferischer werden muss, um Mitglieder zu gewinnen“, gab es keinen Widerspruch. Denn beide Prozesse bedingen einander.

Gemeinsam gegen Rechts! Gemeinsam für soziale Gerechtigkeit!

Ein Thema sowohl im Tätigkeitsbericht der IGM-Bevollmächtigten als auch in der Aussprache waren die für die ArbeitnehmerInnen „negativen Entwicklungen durch die Politik der Rechtspopulisten in den USA und in den europäischen Ländern“. In Deutschland nutze die AFD die wachsenden Zukunftsängste der Menschen, hervorgerufen durch die „Agenda 2010“ und Niedriglöhne, für ihre rassistische sowie arbeitnehmer- und vor allem frauenfeindliche Politik. „Unsere Antwort darauf heißt: Die „Soziale Gerechtigkeit“ muss wieder in den Mittelpunkt der Politik gestellt werden“, sagte  Clarissa Bader. Ihr Werben an der Kundgebung „Gemeinsam gegen Rechts! – Gemeinsam für soziale Gerechtigkeit“ am 6.Mai in Bochum teilzunehmen, wurde in der Diskussion und durch Beifall der Delegierten unterstützt.

Foto: Die IGM-Bevollmächtigte berichtet in der Delegiertenversammlung über die Neuaufstellung der IG Metall –  Foto: IGM – GH

 

ÄHNLICHE ARTIKEL

10

27