„Die Starken stehen für die Schwachen ein“

„Die Starken stehen für die Schwachen ein“

Feierstunde im Haus Ennepetal

Ennepetal. Die IG Metall Gevelsberg-Hattingen ehrte in einer Feierstunde im Haus Ennepetal, unterhalb der Kluterthöhle, 520 langjährige Mitglieder. Die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader dankte 141 KollegInnen für 25-jährige, 167 für 40-jährige, 56 für 50-jährige, 121 für 60-jährige und 33 für 70-jährige Mitgliedschaft. Die Gewerkschafterin hatte vor allem Heinz Müller (91) aus Gevelsberg und Helmut Haumann (93) aus Hattingen hervorgehoben, die sich über sieben Jahrzehnte für die Gewerkschaftsbewegung eingesetzt haben. Kollege Müller engagiert sich noch heute aktiv gegen Rassismus und Faschismus. Helmut Haumann und viele andere im Festsaal seien vor dreißig Jahren an den Kämpfen um die Henrichshütte beteiligt gewesen.

Festrednerin Carmen Schwarz von der Bezirksleitung der IG Metall in Nordrhein-Westfalen ging auf den gewerkschaftlichen Kampf zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in den vergangenen Jahrzehnten ein, an dem die Jubilare beteiligt waren: Kampf gegen die Demontage der Stahlindustrie 1947, den Streik der schleswig-holsteinischen Metallarbeiter für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall 1957, die 40-Stunden-Wochen im Jahr 1967, die Lohnauseinandersetzungen in 1977 sowie die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche in den 1990er-Jahren. „Diese Erfolge wären ohne das Engagement der IG Metall-Mitglieder, also ohne euch nicht möglich gewesen“, dankte Carmen Schwarz den Jubilaren für ihren Einsatz. Insbesondere, dass sie über viele Jahrzehnte ihrer Organisation treu verbunden geblieben sind.

Jubilare im Haus Ennepetal

„Stillstand bedeutet Rückschritt“

Wie wichtig der lebenslange Kampf für die Durchsetzung der Arbeitnehmerinteressen ist, machte die Bezirkssekretärin am Beispiel der Arbeitszeit klar – Stillstand bedeute Rückschritt.

Denn die Arbeitgeber würden immer wieder versuchen erkämpfte Erfolge zurückzudrehen. So forderten die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände seit längerem die Schutzbestimmungen im Arbeitszeitgesetz zu verwässern. Schwarz: „Sie wollen den 8-Stunden-Tag und die Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen kippen.“ Ins gleiche Horn würden nun die sogenannten „Wirtschaftsweisen“ blasen. Dem Vorsitzenden des Sachverständigenrates Christoph Schmidt sei nichts Besseres eingefallen, als zu formulieren: „Die Vorstellung, dass man morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet.“

Zuvor war die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader schon auf die gerade begonnene Tarifrunde in der Metallindustrie eingegangen, in der nach über 30 Jahren erstmals wieder das Thema „Arbeitszeitverkürzung“ im Mittelpunkt stehen würde. In der 1. Tarifverhandlung hätten die Metallarbeitgeber sofort nach Verlängerung der Arbeitszeit gerufen. Clarissa Bader an die Jubilare gewandt: „Die Arbeitgeber haben sich nie mit der 35-Stunden-Woche abgefunden, die ihr mit durchgesetzt habt.“ Heute sei es die Aufgabe der IG Metall, diese Errungenschaft zu verteidigen, und weitere Schritte der Verkürzung zu erreichen.

Die Feier hat auch in diesem Jahr den Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit geboten, sich mit ehemaligen ArbeitskollegInnen zu treffen und auszutauschen. Die Düsseldorfer Dudelsack-Band „Rhine Piper Aera“ trug mit ihren schottischen Melodien zur guten Stimmung auf der Feier bei. Im Haus Ennepetal wurde an diesem Abend wieder lebendig, was die größte Gewerkschaft in der Region ausmacht: „Die Starken stehen für die Schwachen ein.“

Jubilarfeier der IG Metall – Treffpunkt mehrerer Generationen

 

Fotos: 70jährige Jubilare mit der Festrednerin Carmen Schwarz (3.v.l.) und der Ersten Bevollmächtigten Clarissa Bader (4.v.r.) alle Fotos: IGM GH

 

 

 

 

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